Naturstrom

Woher kommt der Strom in Deutschland?

Witzbolde pflegen an dieser Stelle zu antworten: „Aus der Steckdose!“ Aber es soll hier darum gehen, wie Strom heute in ausreichender Menge erzeugt wird. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der Tatsache, dass die Stromerzeugung in Deutschland für 40 % der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird die Umstellung auf erneuerbare Energien immer wichtiger. Doch wie deutlich haben sich die Energieversorgungsunternehmen von den klimaschädlichen Kohlekraftwerken und den seit dem Reaktorunglück von Fukushima in Verruf geratenen Atomkraftwerken verabschiedet?

 

Konventionelle Kraftwerke vs. erneuerbare Energien – Wer hat die Nase vorn?

Um sich ein Bild davon zu machen, wie klimaschonend Strom insgesamt erzeugt wird, wird gern der Strom- oder auch Energiemix herangezogen. Aus ihm geht hervor, aus welchen Energiequellen der Strom erzeugt wird und welchen prozentualen Anteil jede einzelne Energiequelle im Vergleich zur Gesamtheit der Quellen hat. Seit einigen Jahren nimmt der Anteil der erneuerbaren Energien (Biomasse, Photovoltaik, regenerativer Anteil des Hausmülls sowie Wind- und Wasserkraft) zu: Er lag 2016 bei 29 %, was im Vergleich zum Jahr 2014 einen Anstieg um 3,2 Prozentpunkte bedeutet. (Quellen: Statistisches Bundesamt / BMWi). Diese an sich erfreuliche Entwicklung hat aber nichts daran geändert, dass sich Kohle als Spitzenreiter der für die Stromerzeugung genutzten Energieträger behaupten konnte. Nach 43,8 % im Jahr 2014 ging ihr Anteil im Jahr 2016 nur auf 40,3 % zurück – und das trotz ihrer schlechten Klimabilanz: Bei der Verbrennung von Braunkohle entsteht bei der Erzeugung von einer Kilowattstunde Strom mehr als ein Kilogramm CO2. Die Steinkohle steht kaum besser da: Für die Erzeugung derselben Strommenge fallen 900 Gramm CO2 an. Das heißt auch: Die Braun- und Steinkohlekraftwerke sind für ca. 80 % der Kohlendioxidemissionen verantwortlich, die im Zusammenhang mit der Stromerzeugung entstehen. Außerdem werden das ebenfalls umweltschädliche Schwefeldioxid sowie Feinstaub, Stickoxid und die giftigen Metalle Quecksilber, Arsen, Cadmium und Blei freigesetzt.

Verbraucher, die sich eine Abkehr vom Kohlestrom wünschen, können bei der Auswahl ihres Stromtarifs auf den dort dargestellten Strommix achten und denjenigen Tarif mit dem höchsten Anteil an Ökostrom wählen. Wer ganz sicher gehen will, unabhängig von den großen Stromkonzernen zu sein und tatsächlich ausschließlich „grünen“ Strom zu erhalten, sollte auf die entsprechenden Hinweise in den einzelnen Tarifbeschreibungen achten.

Orientierung bieten die Gütesiegel

Wer allerdings Wert darauf legt, einen Tarif zu bekommen, der ausschließlich Ökostrom und keinen Graustrom enthält, sollte sich die Übersicht der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online ansehen (www.co2online.de).

 

Kohlekraftwerke als Brückentechnologie? Intelligentes Lastmanagement wirkt besser

Der Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken geschieht auch vonseiten der Bundesregierung nur zögerlich. Sie hat diese Kraftwerke als „Brückentechnologie“ bezeichnet, die im Rahmen der Energiewende noch einige Jahre benötigt werde, um der ungleichmäßigen Stromproduktion insbesondere durch Windkraftanlagen entgegenzusteuern. Doch eine solche Gegensteuerung ist längst möglich und wird auch bereits praktiziert. Das Stichwort hierfür heißt Lastmanagement: Einige energieintensive Unternehmen haben Vereinbarungen mit ihrem Stromversorger getroffen, die beinhalten, dass sie immer dann, wenn der Gesamtverbrauch in der Region, in der sich die Fabrik befindet, stark ansteigt, die Anlagen kurz abgeschaltet werden. Diese Flexibilität macht es möglich, dass der Stromversorger bei Lastspitzen weder teuren Strom zukaufen noch zusätzliche Kraftwerke hochfahren muss. Im Gegenzug erhält die Firma für das Herunterregeln ihrer Anlage eine Vergütung. Mit dieser Vorgehensweise, die eben nicht die Stromerzeugung an den Bedarf anpasst, sondern die produzierenden Unternehmen auffordert, bei insgesamt steigender Stromnachfrage den eigenen Energiebedarf zu drosseln, wird das kurzfristige Hochfahren von Kraftwerken deutlich reduziert. Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben schon 2014 errechnet, dass die deutsche Industrie durch einen solchen zeitlich optimierten Energieeinsatz drei bis vier Gigawatt Leistung einsparen könnte. Diese Menge entspricht etwa der Leistung von sechs großen Kohlekraftwerken oder mehr als 1.000 Windrädern. Die Effizienz der Industrieunternehmen wäre dabei nicht beeinträchtigt, zusätzliche Kosten wie beispielsweise für Stromspeicher würden nicht entstehen.

 

Würden Unternehmen das Lastenmanagement befürworten?

Im August 2013 wurde eine vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung und der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft durchgeführte Studie veröffentlicht, die im Auftrag von Agora Energiewende, einer Denkfabrik der European Climate Foundation (ECF) und der Stiftung Mercator, erstellt wurde. Hierfür wurden 300 Unternehmen in Baden-Württemberg und Bayern nach ihrer Bereitschaft und ihren Möglichkeiten, an einem Lastenmanagement teilzunehmen, befragt. Dabei ergab sich, dass unter der Bedingung, dass die Stromabnahme in den Firmen um 30 bis 120 Minuten verschoben wird, dieses Lastenmanagement eine Leistung von 1,2 Gigawatt erreichen kann. Die Idee wird auch unter anderen Vorzeichen diskutiert: Angesichts der Überprüfung der Befreiung von eben diesen energieintensiven Unternehmen von der EEG-Umlage durch die EU-Kommission könnte das Lastenmanagement eine sinnvolle und praktikable Alternative sein, die ein EU-Verfahren verhindert.

 

Hier vergleichen Sie die Tarife für Ökostrom: