Ökostrom

Nicht immer ist Öko-Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt

ÖkostromImmer mehr Verbraucher entscheiden sich bewusst für Strom, der aus erneuerbaren Energien gewonnen  wird. Die Webseiten der Stromversorger erläutern bei der Darstellung ihrer Tarifvarianten denn auch sehr genau, aus welchen Quellen ihr Strom stammt und wie er sich prozentual zusammensetzt. Will man als Kunde diese Angaben nicht mit aufwendigen Recherchen überprüfen, muss man sie glauben. Das Forum Ökologisch-Soziale-Marktwirtschaft (FÖS), eine Art Denkfabrik, die überparteilich und unabhängig tätig ist, hat sich der Frage gewidmet, ob die als Öko-Strom ausgewiesene Energie auch tatsächlich diesen Namen verdient. Also: Ist da „Öko“ drin, wo „Öko“ draufsteht? Das FÖS wurde bei seinen Recherchen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Greenpeace Energy, Robin Wood, den Elektrizitätswerken Schönau, der Naturstrom AG sowie dem Energieversorger LichtBlick SE unterstützt.

 

Verschiedene Werbeaussagen – doch was steckt dahinter?

Wenn es um das gute Gefühl geht, etwas für die Umwelt getan zu haben, sind Verbraucher oft bereit, mehr Geld für ein Produkt auszugeben. Das gilt für Bio-Bananen ebenso wie für Elektrizität aus regenerativen Quellen. Diesen Umstand machen sich auch Versorgungsunternehmen zunutze, indem sie ihren Strom als „sauber“ bezeichnen oder behaupten, er stamme zu einem größeren Anteil aus erneuerbaren Energiequellen als im deutschlandweiten Durchschnitt. Das hat allerdings nicht nur Marketinggründe, sondern ist auch auf das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) zurückzuführen: Es schreibt in § 42 in Verbindung mit § 54 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) allen deutschen Versorgungsunternehmen vor, in ihrer Stromkennzeichnung, die dem Endverbraucher Auskunft über die Art der Stromerzeugung gibt, bis zu 46 % Stromanteil aus subventionierten erneuerbaren Energien auszuweisen. Dieser Öko-Strom wird jedoch nicht von den Versorgern für ihre Kunden eingekauft, kommt also bei ihnen gar nicht an. Die Folge dieser Vorgabe ist, dass die Versorger viel weniger Atom- und Kohlestrom ausweisen, als sie wirklich an die Verbraucher liefern. Die Kunden werden getäuscht, weil zahlreiche Stromtarife umweltfreundlicher wirken, als sie tatsächlich sind. Diese durch die derzeitige Gesetzeslage erzeugte Schieflage wurde Ende 2016 von LichtBlick anhand einer Untersuchung der Angaben von 35 großen deutschen Stromversorgern ermittelt.

 

„Faktencheck Strommix“ – das ist wirklich drin im Öko-Strom

Die Dokumentation der Untersuchung greift zehn Fälle auf, in denen eine Täuschung der Kunden nachgewiesen werden konnte. Zu den krassesten Fehlinformationen gehört die eines norddeutschen Stromversorgers: Hier war der Stromkennzeichnung ein Ökostromanteil von 47,1 % zu entnehmen, der tatsächliche Ökostromeinkauf betrug jedoch nur 6 %. Auch ein Versorger aus Bayern nutzte die gesetzlichen Möglichkeiten, um seinen Kunden einen hohen Anteil an „grünem“ Strom vorzugaukeln: Seine Kennzeichnung wies einen Ökostrom-Anteil von 47,8 % aus, ermittelt wurden allerdings nur 4,8 %.
Die für die Untersuchung verantwortlichen Gutachter haben eine Empfehlung, wie dieses Problem der irreführenden, aber legalen Darstellung gelöst werden könnte: Um die Verbraucher tatsächlich über den Ökostrom-Anteil in einem Stromtarif zu informieren, soll die Stromkennzeichnung nur noch diejenige Energiemenge darstellen, die ein Versorgungsunternehmen tatsächlich für seine Kunden einkauft oder selbst herstellt.  Ein einfach umzusetzender Vorschlag, auf den jetzt noch die Politik reagieren muss.

 

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